Falafel – Die Suche nach einem Dealer

Published On 2016-03-10 | By Klaus | Sweet Spots

Worst-Case-Szenario – Du gehst an einem Mittwoch Vormittag, nach einer exzessiven Nacht, ganz gemütlich die Kettenbrückengasse in Richtung Naschmarkt hinunter. Musik in den Ohren und genießt die letzte Zigarette vom Vorabend.

Der Homo Sapiens seit Jahrtausenden immer auf Nahrungssuche. Fleisch? Fisch? Es siegt der innere Grünkern: Falafel, ein bisschen Humus und vielleicht ein Stück Pita mit etwas Harissa.

Am Naschmarkt wird bereits fleißig eingekauft, die Döner-Spieße drehen sich und die Händler rufen einen zu Kostproben an ihre Stände heran, also alles ist wie immer.

Dann passiert es: Da wo dein Lieblingsstand war, ist jetzt eine Weinbar. Weitere Suche ergebnislos.

Das hat man davon, wenn die Feuilletons dieser Zeit einem die kleinen Lokale am Naschmarkt als die hippsten aller Treffpunkte verkaufen. Was nützt mir das wenn der Falafel-Dealer dem hipperen Treiben weichen muss?

Es hat lange gedauert, bis ich mich von meinem riesigen Schock erholt hatte. Als sich Ernüchterung einstellte begann sie, die Suche nach dem heiligen Falafel-Gral. Wo fängt man an?

Nach diversen Tipps von Freunden und Bekannten, einer intensiven Suche auf Facebook (ich war schon kurz davor eine eigene Page mit dem Titel „Falafel gesucht“ zu veröffentlichen) und diversen Artikeln in der Food-Blogger-Szene hab ich aufgegeben. Es wäre schlicht unmöglich gewesen alles zu probieren. Wie immer wenn ich in Wien bin und nicht weiß, was ich mit meiner Zeit anfangen soll, begab ich mich in die Innenstadt unter die Touristenhorden, so gut getarnt, dass mir tatsächlich am Stephansplatz jemand in einem strangen Outfit eine Konzertkarte verkaufen wollte.

Ich spazierte eine Weile ziellos an diversen Geschäften vorbei, bis mein Magen sich wieder einmal lautstark bemerkbar machte. In der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen. Ich bog in die Rotenturmstraße ab, mit dem Ziel Schwedenplatz und einer Box voll mit dem üblichen Fünf-Euro-Zeugs.

Gänzlich unerwartet fiel mir ein Schriftzug auf: „Sababa – Orientalische Spezialitäten“

Was solls, probieren kann nicht Schaden.

Das Lokal – Immobilienmakler würden es wohl als gemütlich anpreisen – ist ziemlich klein. Alles in Allem vielleicht sechs Tische. Einsehbare Küche Marke Imbissstand und über der Verkaufstheke ein Schild mit der gesamten Speisekarte. Das erste was mir auffiel waren die eher branchenuntypischen, ziemlich hohen Preise. Einige Gerichte kamen fast auf € 15,-. Ich nahm den erstbesten Tisch und wurde auch schon gefragt was ich trinken wollte während ich die Speisekarte studierte. Ich entschied mich für ein Glas Limo-Nana. Wer es nicht kennt, Limo-Nana besteht hauptsächlich aus Gurken- und Zitronensaft, gemischt mit Wasser, meistens kommt dazu noch Minze. Der perfekte Durstlöscher für einen heißen Tag.

Da mich die Speisekarte restlos überforderte entschied ich mich für ein Pita Falafel, also Brot mit Falafel.

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ein weiterer Leckerbissen gerollt im Lawash

Mein Teller war schnell angerichtet und ich konnte meinen Augen nicht trauen, was ich da für einen üppig gefüllten Brocken vorgesetzt bekam. In der kleinen Pita waren sechs Falafel, Humus als Unterlage, rotes Kraut, marinierter Karottensalat und ein roter Melanzanisalat. Das ganze wurde außen mit Humus verschlossen. All das für knapp fünf Euro.

Der erste Bissen – und ich konnte es nicht fassen – war der Himmel auf Erden. Die diversen Zutaten ergaben eine homogene Masse, die die frischen Falafel umschlossen wie Wolken den Sonnenhof. Die heißen, frisch frittierten Falafel waren außen kross und ihnen herrlich weich. Die perfekte, orientalische Konstruktion eines Weltmodels. Es ist selten, dass man bei Falafel die Bohnen und Kircherbesen, tatsächlich zwischen all den Gewürzen erschmecken kann. Doch bei Sababa ist das möglich. Der Koriander war nicht dominant, sondern tatsächlich perfekt dosiert. Der Karottenslat im inneren war köstlich, so köstlich, dass mein Gaumen sogar einen Hauch Sesamöl erfühlen konnte. Ich bin normalerweise kein Fan von Rotkraut doch nicht mal das hat mich gestört.

Die Pita war schnell verputzt, danach stellte sich lediglich eine leichte Depression ein, da das Geschmackserlebnis zu Ende war. Tja, das schöne an einem Restaurantbesuch ist die Tatsache, dass man nachbestellen kann und das tat ich, um ehrlich zu sein mehrmals.

Seit diesem Tag gibt es keinen Trip nach Wien ohne einen Besuch bei Ezra Jakobi, dem Besitzer und Koch von Sababa. Auch der Chef selbst ist eine Offenbarung an Menschlichkeit und Gastfreundschaft. Ezra hat noch in seiner Heimat – ich konnte bis zum heutigen Tag nicht aus ihm herauskitzeln wo diese Heimat genau liegt – Koch gelernt und hat in diversen Küchen rund um den Globus gekocht. Auf der Homepage www.sababa.at prangt stolz ein Foto auf dem er einen der Darsteller aus der Kultserie Dallas bekocht, ich glaube es ist Patrick Duffy, so genau kann man es dann doch nicht erkennen.

Mit Sababa hat er sich dann seinen Lebenstraum erfüllt. Ein kleines Lokal, das den Menschen die orientalische Küche näher bringen soll und das einfach so wie sie ist: Gastfreundlich und einfach köstlich.

Ich für meine Teil hab den Falafel-Dealer meines Vertrauens entdeckt, zugegeben Geschmack ist subjektiv, aber vertraut mir, ich weiß was ich tue. Sababa ist einen Besuch wert und wer weiß, vielleicht bin ich auch da, am hinteren Tisch der für Stammgäste reserviert ist, trinke Limo-Nana und streich mir Humus auf den Lawash während ich gendankenverloren auf die vorübergehenden Touristen blicke und meine kleine Welt für einen Moment perfekt ist.

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About The Author

Literat, HipHop-Artist, Mentalist, Zauberkünstler mit Affinität zur heimatlichen Kultur. Schaut schonungslos hinter die Fassade des stereotypen Österreichs und findet sogar Gefallen daran.

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