„The Shining“ in Feichtenbach

Published On 2016-03-17 | By Roland | Sweet Spots, Untergrund

Ok. Ja.
Lost Places sind ja so hip.
Aber was soll’s, manchmal muss man auch das bringen, obwohl es für untergrund.city ja schon fast zu Mainstream ist.
Sarkasmusmodus *aus*.

Jetzt mal im Ernst, im südlichen NÖ befindet sich in der zur Gemeinde Pernitz gehörigen Ortschaft Feichtenbach das ehemalige „Sanatorium Wienerwald“.

In den Jahren 1903/04 von zwei Lungenärzten jüdischer Herkunft, Hugo Kraus und Arthur Baer, gegründet, erlangte das äusserst exklusive Sanatorium schnell Weltruhm und war bis in die dreissiger Jahre permanent ausgebucht. Zu den Gästen zählten unter anderem Ignaz Seipel, Kardinal Innitzer und Franz Kafka.
1935 wurde die Heilanstalt im Zuge des Anschlusses Österreichs an Deutschland „arisiert“, Hugo Kraus starb an den Folgen eines misslungenen Freitodes, Arthur Baer überschrieb nach „Überzeugungsarbeit“ der Gestapo das Heim dem „Lebensborn e.V.„, einem Art Zuchtprogramm für die „Herrenrasse“ und verstarb verarmt und verbittert im heutigen Tschechien.
Hierzu ist 2003 sogar eine eigene Dokumentation erschienen, wer sich für das Thema mehr interessiert, dem sei diese Produktion ans Herz gelegt.

Nach dem Weltkrieg waren die Versuche das Gebäude sinnvoll und wirtschaftlich zu nutzen allesamt kläglich gescheitert: die Verwendung als ÖGB-Heim, als Kuranstalt der Krankenkasse und als Hotel konnten den Standort nicht mehr beleben und vor dem Verfall retten. Die letzten Bewohner des einst so stolzen Hauses waren eine Frau mit 80 Hunden und Katzen, die vom Amtsgericht Wiener Neustadt delogiert wurden, in den Medien wurde in diesem Zusammenhang das neu-deutsche Wort „Animal Hording“ benutzt.

Nun ist die Anlage dem Verfall und Vandalismus preisgegeben und diverse Seiten im Netz werfen das „Sanatorium Wienerwald“ dem alternativen Tourismus als Gruselhöhle zum Frass vor. Anrainer und Polizei sind genervt von Besuchern, die sich in einer „Mutprobe“ selbst beweisen wollen oder glauben, hier nächtens wilde Parties feiern zu müssen.

Vom ehemaligen Charme und Ruhm der Heilstätte ist schon lange nichts mehr zu spüren, und jenes, das die Nazis durch die Umgestaltung der urspünglichen Gebäude, der sogenannten Vereinheitlichung der „Reichsarchitektur“,  nicht zerstören konnten, haben dann ÖGB und Krankenkassa den Rest gegeben. In den 60er & 70er Jahren wurde ein Hallenbad an den Haupttrakt angeschlossen und das Gelände ist durch andere Zubauten, wie zB. ein Freiluftbecken mit Umziehkabinen und einer kleinen Gaststätte, ergänzt worden.

Heute wandert man in einem sinnlos vandalisierten, baufälligen und seelenlosen Skelett einer einst so ruhmreichen Vergangenheit, dessen billiger Nervenkitzel in den Köpfen einer von Horrorgames geschädigten Generation liegen mag.

 

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Speisesaal

 

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Hallenbad (Zubau)

 

Zubau Speisesaal / Veranda

Zubau Speisesaal / Veranda

 

Zahllose leere Gänge mit Graffiti

Zahllose leere Gänge mit Graffiti

 

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Wunderbar in Szene gesetzte Filmkulisse (mit Tierblut)

 

Kaputte Stiegenhäuser (Absturzgefahr!)

Kaputte Stiegenhäuser (Absturzgefahr!)

 

Quellen:
Mehr über Feichtenbach auf Wikipedia
Zur Dokumentation auf cultfilm.at

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Vater, DJ, Photograph, Grafiker und neuerdings auch Schreiberling für untergrund.city. Goddammit, welch Karriere!

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