Heim nach ‚Neustadt

Published On 2015-09-25 | By Roland | Urbanes
Jeder kennt das: das nach dem Urlaub heimkommen.

Die Heimat mit ein bisschen Abstand neu sehen.

Jetzt ist es ja nicht unbedingt so, dass sich das, wie der Name schon sagt, Industrieviertel Niederösterreichs durch besondere Schönheit hervortut.

Eher im Gegenteil, fährt man aus den westlichen Regionen Österreichs in den Osten des Landes, so wird der Eindruck der Städte und Orte immer, wie soll man sagen, unansehnlicher?
Hat das Dorf in der westlichen Steiermark noch bäuerliche Tradition, eine hübsch gestaltete Kirche und vielleicht alte Gutshäuser, so ist, um nur einen Ort zu nennen, Theresienfeld doch ein gewisser Kontrast dazu.

Lädt die Villa am See im Salzkammergut zum Verweilen ein, so suggeriert Ternitz anderes.

Steht der Blumenschmuck den Häusern im Pongau sehr gut, so wirkt die bunte Fassade der schlumpfigen Schlumpfsiedlung in Steinabrückl doch allzu bemüht.

Pulsiert das Zentrum von Lienz vor Leben, so wirkt der Hauptplatz in Wiener Neustadt eher …existentialistisch.

Ja, klar, das südliche Industrieviertel, und vorallem Wiener Neustadt selbst, war im zweiten Weltkrieg Österreichs Dresden, aufgrund der örtlichen Industrie musste keine Region Österreichs mehr Bomben erleiden.

Und ja, es gibt auch noch einzelne Fleckchen gepflegter und gut erhaltener, alter Architektur. Doch diese muss man, sind wir ehrlich, suchen.

Villa bei Gutenstein/NÖ

In der Nachkriegszeit gab es im Wiederaufbau für so Nebensächlichkeiten wie Ästhetik oder Tradition weder Zeit noch Geld – was im geschichtlichen Kontext duchaus verständlich sein mag, ab der Mitte der 60er Jahre nur mehr eine Ausrede darstellt und schon gar keine Rechtfertigung für die Monströsitäten der 70er bietet.
wunderbare Reihenhaussiedlung in Wr. Neustadt, 2015 bezugsfertig .

wunderbare Reihenhaussiedlung in Wr. Neustadt, 2015 bezugsfertig .

Fakt ist: Schönheit ist – und war auch immer – teuer.
Der optische Anspruch wurde dem kleinbürgerlichen Traum nach eigenem Grund und Boden grausam geopfert – den unstillbaren Durst und die Gnadenlosigkeit des unbarmherzigen Gottes der Wirtschaftlichkeit kann man auch heute tagtäglich deutlich erleben.
Nach dem Urlaub heim nach ‚Neustadt – und vielleicht wird jetzt ein bisschen klarer, warum die misshandelte Ehefrau immer wieder zu Ihrem grauslichen Mann zurückkehrt – weil es, wie immer es auch ist, ja doch irgendwie ein Zuhause darstellt….

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About The Author

Vater, DJ, Photograph, Grafiker und neuerdings auch Schreiberling für untergrund.city. Goddammit, welch Karriere!

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