Der Friedhof der Namenlosen

Published On 2016-05-13 | By Roland | Menschen, Sweet Spots, Urbanes

Wenn man einen Blick in die Abgründe der österreichischen Seele werfen will, so kommt man an einem Besuch eines Friedhofes nur schwer vorbei. Nun sind Artikel über eine der bekanntesten Institutionen Wiens, den Zentralfriedhof, Legion. Dieser wurde besungen, cinematographiert und endlos dokumentiert.
So beeindruckend diese Nekropolis auch sein mag, so beeindruckend die Namen auf den Grabsteinen sind, untergrund.city stellt seinen geschätzten Besuchern natürlich etwas anders vor:

Der Friedhof der Namenlosen

Bei der Einfahrt zum Albener Hafen zu Wien wurden durch einen Wasserstrudel der Donau, neben Treibgut, auch immer wieder Wasserleichen angetrieben.
Unter großem persönlichen Einsatz bargen ortsansässige Jäger und Fischer, von der Gemeinde unterstützt, die Toten, brachten sie zum Friedhof und setzten diese mit einem kleinen Gebet bei. Zwischen 1840 und 1931 wurden 560 Tote begraben, bei vielen wusste man weder Namen noch Todesursache, manchmal konnte jedoch nachträglich eine Identität festgestellt werden.
1932 übernahm der Gemeindewachmann Josef Fuchs die Aufgabe sich um den Friedhof zu kümmern und hat bis zu seiner Einberufung – aufgrund des zweiten Weltkrieges – 1939 weitere 50 Personen beigesetzt.
Deswegen wurde die letzte Bestattung im Jahre 1940 von seiner Ehefrau Franziska Fuchs durchgeführt.

Die kleine Kapelle wurde im Jahre 1935 hauptsächlich von freiwilligen Helfern errichtet und von Erzbischof Dr. Theodor Innitzer eingeweiht.

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Nach der Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft im Jahre 1947 kümmerte sich Josef Fuchs bis zu seinem Tod 1996 liebevoll um „seinen“ Friedhof, er restaurierte, renovierte und pflegte die letzte Ruhestätte von Menschen, denen aufgrund der Umstände ihres Todes vielleicht gar kein offizielles Begräbnis zugestanden hätte.

Den Besuchern dieser Stätte erzählte er gerne die berührenden und oftmals traurigen Geschichten, die sich in seiner Zeit als Verwalter ereigneten. So zum Beispiel jene von einem 18 jährigen Dienstmädchen, das den Freitod in der Donau wählte, oder die von dem jungen Mann, der 1933 am Grab seiner Mutter, die 1927 ertrunken war, erschossen aufgefunden wurde.

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Dieses Grab erzählt eine rätselhafte Geschichte, die tragischer nicht sein könnte.

Dieser Ort erzählt Geschichten, nicht die großen, die in Geschichtsbüchern oder Bibliotheken wiederzufinden sind, hier werden die kleinen erzählt, jene, mit denen wir uns so leicht identifizieren können, jene, die wir selbst aus unserem Alltag kennen, aber jene, die kein Happy-End haben.
Es sind Geschichten von Menschen, die uns sehr ähnlich wären, wenn uns nicht Jahrzehnte trennen würden.
Und das macht den „Friedhof der Namenlosen“ zu etwas ganz Besonderem, einem Ort, der unter die Haut geht.

 

Quelle: Friedhof der Namenlosen

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Vater, DJ, Photograph, Grafiker und neuerdings auch Schreiberling für untergrund.city. Goddammit, welch Karriere!

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