Wohlstandsghetto – Pt I

Published On 2015-09-25 | By Roland | Urbanes

Agglomerationsgürtel. Speckgürtel.
Die letzten Jahre ist vermehrt jene Sorte Mensch, die Geld hat, aus der Stadt in jene Regionen um die Stadt gezogen, die dem gestressten Städter Ruhe und Erholung verheisst, intaktes soziales Umfeld suggeriert und dörflichen Anschein gibt.

Die höchsten Zuwächse verzeichneten in den Jahren 2001 und 2011 die Städte und Gemeinden im Einzugsgebiet von Wien (Gänserndorf +28,1 Prozent, Vösendorf +25,7) und Graz (Seiersberg +22,6 Prozent, Gratkorn +13,2). Die Randgemeinden von Linz (Leonding +14,0 Prozent) und Innsbruck (Hall in Tirol +10,5 Prozent) haben auch ordentlich zugelegt (Quelle: Standard.at). Die Immobilien und Grundstücken sind im Wert mittlerweile auf Innenstadtniveau.
Die urbanen Gebiete werden dadurch viel grösser und weiter. Nach dem Bauboom der Gemeindebauten, der sich vom Krieg bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gezogen hat, dann aufgrund der ghettofizierung jener Bunkerlandschaften sich vermehrt mit Dachgeschossausbauten wieder in innerstädtische Bereiche zurürckgezogen hat, ist jetzt das glorifizierte ländliche Leben noch der beherrschende Wohntraum.
Für die unheilige Subkultur der „Eltern“, meist akademisch gebildet, mittelständisch, pädagogisch Wertvoll, berufstätig, mit Familienvan, liberal, ökologisch bewusst und eigenem Therapeuten, ist das Suburbane, der Vorort, das erlösungsverheissende Elysium für das man sich schon auf die nächsten 30 Jahre verschulden kann.
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Doch irgendwie erwecken diese Horte kleinbürgerlicher Biedermeierträume den Eindruck der unseligen Planstädte, wie zum Beispiel das 1955 begonnene Brasilia, oder aktueller, das koreanische New-Songdo-City.
Kalt, künstlich, jedoch ohne grössere integrative Vision ihrer gigantomanischen, von Architekten konzeptionierten Schwestern, mit der Individualität der billigen Einrichtungshäuser bekommt man in den Vororten das Gefühl in einem von kleingeistigen Bürokraten geplanten Wohlstandsghetto gefangen zu sein.

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Vater, DJ, Photograph, Grafiker und neuerdings auch Schreiberling für untergrund.city. Goddammit, welch Karriere!

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