Wenn der Abschaum auf den Grind trifft….

Published On 2015-09-29 | By Klaus | B-Seiten, Trash-Talk, Untergrund

Österreich ist ein Land mit relativ geringer Kriminalität, aber wenn dieses Land einmal Mörder und Verbrecher hervorbringt, dann sind es richtige „Monster“. Fuchs, Fritzl, Proksch und Co.

Kein anderer Mörder beschäftigt die Popkultur allerdings mehr als Jack Unterweger, der Knastpoet oder Jack the Writer, wie er in den USA genannt wurde.

Anfang September hatte der neue Film von Elisabeth Scharang „JACK“ Premiere. Untergrund.city konnte es nicht lassen und hat einen Blick auf die Leinwand riskiert.

Eines gleich vorweg: Die schauspielerische Leistung ist mehr als gelungen. Johannes Krisch spielt sich den Arsch ab und das unter der Mithilfe von Birgit Minichmayr und Paulus Manker.

Der Film beginnt in der Nacht, als Jack Unterweger seinen ersten Mord begeht. Nach einem Raubüberfall, entführt Jack mit seiner Freundin ein Mädchen und verschleppt dieses in den nahegelegenen, winterkalten Wald, prügelt es mit einer Stahlrute halbtot und erwürgt es anschließend mit einem BH. Der leblose Körper bleibt, an einen Baum gebunden, zurück.

Die restliche Handlung ist schnell erzählt. Der Film zeigt wie Jack im Gefängnis zu schreiben beginnt, wie seine Texte von der Highsociety gefeiert wird und wie er letztendlich aus dem Gefängnis kommt und nun als Vorzeigebeispiel der Resozialisierung gefeiert wird. Er kommt an Geld, sehr viele Frauen und an Ansehen, während die Polizei beginnt weitere Leichen von Frauen zu entdecken. Jack wird vom ORF für eine Reportage in die USA geschickt, wo er im Rotlichtmilieu recherchieren soll. Zu dieser Zeit beginnt eine Mordserie, die der in Österreich recht ähnlich sieht. Unterweger flüchtet, wird angeklagt, verurteilt und erhängt sich schließlich in seiner Zelle. Im ganzen Film wird offengelassen, ob Unterweger schuldig ist oder nicht.

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Sehr viele Menschen werden nicht müde die Unschuld von Jack Unterweger zu beteuern, denn schließlich ist das Urteil bis heute nicht rechtskräftig und außerdem wurde lediglich ein reiner Indizienprozess geführt. Es ist also möglich, dass Unterweger zu unrecht beschuldigt wurde.

In der Schlussszene des Films wird Unterweger von seinem ersten Opfer im Jenseits begrüßt und beide stapfen im kalten Schnee aus dem Bild. Ganz richtig nur ein Opfer begrüßt Ihn. Diese Bild spricht eine deutliche Sprache.

Ok, ich schaffe es nicht, diesen Artikel neutral zu verfassen, den mir steht die Kotze bereits nach zehn Minuten des Films im Hals. Was als biographischer Film angepriesen wird, ist ein verlogenes Machwerk, das versucht Tatsachen zu verdrehen und eine Mythos um Unterweger zu schaffen.

Deshalb vorab – bevor ich zum finalen Abkotzen komme – ein paar Fakten:

Jack Unterweger wurde in neun von elf Fällen verurteilt. Das Urteil ist deshalb nicht rechtskräftig, weil Unterweger vor seinem Berufungsverfahren Selbstmord beging und zwar mit exakt dem selben Knoten mit dem er seine Opfer erwürgte.

Die DNA Untersuchung, von der im Film behauptet wird sie wäre nicht aussagekräftig, bestätigt, dass Fasern von Unterwegers Schal an einem Opfer waren und er war zum Tatzeitpunkt immer in der Nähe der Ablage- bzw. der Tatorte, außerdem wurde ein Haar eines Opfers in seinem Auto gefunden. Unterweger reist in die USA, dort beginnt eine Mordserie in der gleichen Handschrift, Unterweger kommt zurück und sie reißt ab. Und letzten Endes gab es in Österreich seit Unterwegers Inhaftierung keine weiteren Morde der selben Handschrift. Ja, das sind alles nur Indizien, aber alle Spezialisten, österreichische wie amerikanische, sind sich einig: Unterweger WAR der Täter!

Wieso wird also immer noch versucht das Gegenteil, mit teilweise völlig absurden Thesen, zu beweisen. Nun ja, ich hätte da auch eine Theorie. Jack Unterweger hat nach seiner Haftentlassung mit zirka 150 Frauen geschlafen, war ein ausgeprägter Narzisst und Selbstdarsteller, außerdem hochintelligent. Er hatte auf das weibliche Geschlecht eine unglaubliche Wirkung. Und es sind auch die Frauen die von seiner Unschuld überzeugt sind. Frauen die gerne mal mit dem Teufel ins Bett springen würden, weil es gefährlich und verboten ist mit einem verurteilten Mörder das Bett zu teilen. Es war auch eine Frau, die den Stein damals ins Rollen brachte, der letztendlich zu vorzeitigen Haftentlassung führte. Sie hatte ein Gedicht von Jack bekommen, dass so unglaublich toll geschrieben war. Erst später wurde bekannt, dass es ein Gedicht von Hermann Hesse war. Unterweger tat alles aus Kalkül und nur um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Die Gutachten von Reinhard Haller, dem wohl berühmtesten forensischen Psychiater unseres Landes, sprechen in diesem Zusammenhang eine deutliche Sprache. Unterweger fing in der Haft zu schreiben an mit dem Ziel aus der Haft entlassen zu werden, seine Selbstmordversuche verfolgten das selbe Ziel. Unterweger trug sich seine Selbstmordversuche sogar in seinen Kalender ein und auch am Tag seines Selbstmordes las man in seinem Kalender: „17:00, Selbstmordversuch durch Strangulation gescheitert“

Unterweger war ein Meister der Manipulation und konnte Menschen beeinflussen wie kein Anderer. Ich weiß nicht, ob ich ihn nicht auch gemocht hätte, wäre er mir gegenüber gesessen in seinem weißen Anzug, mit Rolex und Siegelring an der Hand, nachdem er aus seinem weißen Ford Mustang gestiegen wäre. Vielleicht hätte er auch mich manipuliert.

Dennoch die Fakten sprechen für sich. Kein Film über Jack sollte sein Lebenswerk verschweigen, die Tatsache das Unterweger mindestens neun Menschenleben beendet hat und das auf bestialische Art und Weise.

Als ich aus dem Kino kam war mir wirklich schlecht. Ich hatte das Gefühl eine Film gesehen zu haben von einer Frau die bedauert, dass sie nicht eine von denen war die er gevögelt hat.

Möglicherweise tue ich Elisabeth Scharang unrecht, aber was soll ich tun, es wirkte auf mich nun mal so.

Ach ja, da sind auch noch so Kleinigkeiten im Film, der in den 1990er Jahren spielt, Kleinigkeiten die nicht hätten passieren sollen. Wie etwa die EU-Gesundheitswarnungen auf den Tabakpäckchen, oder die Fantaflasche im aktuellen Design, Wiesel-Garnituren der ÖBB und silberne Polizeiautos. Hab ich was vergessen? Ja, doch, tatsächlich. Bei den Tatortsgruppen damals gab es noch keine weißen Overalls.

Wer einen exzellent gespielten Thriller sehen will ist bei „Jack“ gut aufgehoben, mal abgesehen davon, dass es kein Thriller ist. Und mit Jack Unterweger hat der Film in etwa so viel zu tun wie Erika Pluhars Frisur mit Udo Proksch.

Letztendlich bleibt nur der Grind und der Abschaum zurück, sowie die Erinnerung an einen Mörder von damals, geschönt und raus geputzt. So gesehen typisch Österreich!

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About The Author

Literat, HipHop-Artist, Mentalist, Zauberkünstler mit Affinität zur heimatlichen Kultur. Schaut schonungslos hinter die Fassade des stereotypen Österreichs und findet sogar Gefallen daran.

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