Musik, Stil & Untergrund: (Neo-) Psychedelic-Rock

Published On 2016-07-14 | By Roland | B-Seiten, Trash-Talk

In „Musik, Stil und Untergrund“ haben wir versprochen in der metaphorischen Plattenkiste zu wühlen und zwar etwas tiefer, nach dem Dreckigen, dem Unbequemen.

Als recht erfahrener DJ kann ich mit Fug und Recht sagen, dass wir es heute mit einer äusserst sperrigen Stilrichtung zu tun haben, einer die den Namen „Underground“ wahrlich verdient hat:
Neo-Psychedelic Rock

Entsprungen aus der in den frühen 60er Jahren Folk-Hippie Bewegung Kaliforniens wurde diese Spielart der Rockmusik vornehmlich von amerikanischen und britischen Bands geprägt. Der Begriff „Psychedelic“ wird auf Humphrey Osmond, einem britischer Psychiater, der halluzinogene Drogen wissenschaftlich erforschte, und den Author Aldous Huxley zurückgeführt. Wie sich richtig vermuten lässt, hat diese Musikrichtung sehr grosse Affinität zu jenen Substanzen. Diese Freude am Experimentieren mit dem Bewusstsein ging nahtlos in die Komposition, die Instrumentierung und in die Texte ein. Dazu kam es damals zu einer revolutionären Fusion herkömmlicher und, aus der Sicht der 60er Jahre, sehr ungewöhnlicher Klänge. Mit der klassischen Instrumentierung des Rock wurde gebrochen und andere, aus heutiger Sicht genreuntypischere Instrumente kamen zum Einsatz.

„The Deep“ gilt als einer der ersten „Psychedelic Bands“ aus den 60ern.

 

Es entwicklete sich für die Plattencover und Veranstaltungsplakate auch sehr rasch eine eigene graphische Sprache, die deutlich vom Jugendstil geprägt war und mit starken Komplementärfarben arbeitete.

psych poster

Konzertposter aus den 60ern. (gefunden auf http://psy-amb.blogspot.co.at/2013/02/20-classic-vintage-psychedelic-rock.html )

 

Diese Offenheit zeigt sich im gesamten Lebenstil dieser Generation, einzelne Bereiche der Kunst wurden zu einem multimedialen Konglomerat, bildende Künste vermischten sich mit Schriftstellerei und der populären Musik. „The Velvet Underground“, zum Beispiel, traf auf Andy Warhol, „The Doors“ waren für ihre literarischen Texte bekannt.
Die einstige Untergrundbewegung wurde zu einer Mode, die Mode kam sehr verwässert in der Gesellschaftlichen Mitte an und verebbte dann schliesslich.

Dieser von Vielen belächelte Stil prägte die Popkultur sehr, sehr nachhaltig, heutige Musik ist ohne die Einflüsse aus dieser Zeit nicht vorstellbar.

In den 80ern gab es unter dem Namen „Neo-Psychedelic“ das erste Revival, in den 90ern setzte sich dieser Geist in der elektronischen Musik fort, um die Jahrtausendwende kam er als Spielart namens „Stoner-Rock“ wieder zu etwas mehr Bekanntheit. Auch dem sogenannten Britpop trieft der Psych-Rock aus jeder Pore.

Die „Happy Mondays“ vollzogen Anfang der 90er, in Rückbesinnung an die britische Musik der 60er, den Übergang vom „Independent“ der 80er zu dem, was wir heute als „BritPop“ kennen.

 

Ab 2010 finden sich wieder mehr Bands, die sich dieser Richtung verschrieben haben.
So verschieden die einzelnen Ansätze und Präferenzen sind, eins ist diesen Künstlern jedoch gemeinsam: gutes Songwriting, abwechslungsreiche Instrumentierung und grosses musikalisches Können. Es gibt auch wenig Berührungsängste mit anderen Stilen, was die Beschäftigung mit dieser Musik so lohnend und spannend macht. Das Spektrum reicht von fuzzy 60ies Garagerock, auf den selbst die Beatles stolz gewesen wären, über unorthodoxes Singer/Songwritertum mit vielen Blumen im Haar bis hin zu monumentalen Opern alá Pink Floyd oder Iron Butterfly.

„Elephant Stone“ stammen aus Kanada, dieser Track ist 2013 auf dem gleichnamigen Album erschienen.

 

Nachfolgend wird untergrund.city einzelne Bands genauer unter die Lupe nehmen und den Herausragenden eigene Artikel und Rezensionen widmen.

Die ganz Neugierigen können ja gerne in unserer Youtube-Playlist herumstöbern: Psychalicious – Singles

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About The Author

Vater, DJ, Photograph, Grafiker und neuerdings auch Schreiberling für untergrund.city. Goddammit, welch Karriere!

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