Aus dem Leben eines DJ’s – Pt II

Published On 2016-01-07 | By Roland | Menschen, Trash-Talk, Urbanes

Es gibt Jobs. Und es gibt Jobs.
Dies war einer der letzteren Kategorie.

Eine wiener Nobellocation, von der ich nicht mal wusste, dass man sie für eine Party mieten kann.
Zwei Wochen davor eine Vorab-Besprechung, nein, ein Briefing, in einer fetten, wirklich fetten Villa in Döbling.
Zu welcher Musik die typisch österreichischen Kosaken tanzen werden, welches Stück das Ballett zum Auftritt benötigt.
Ein auf-den-Zahn fühlen, wer zum Teufel ICH bin und was ich dort zu spielen gedenken …soll.
Der nicht ganz so subtile Hinweis, wiescheiss exklusiv und vertraulich die Sause ist.
Nun ja, und natürlich auch das finanzielle. Das – zugegeben – gut war.
Klang alles nach DJ-Hure.

Der Abend war da, alles aufgebaut, Soundcheck, kurze Ablaufbesprechung mit den restliche Akteuren, schneuzn, kampln und nochmal Garderobe prüfen.
Pünktlichst gingen Türen auf und die ersten Gäste wurden mit Fiakern „abgeliefert“.
Bei der amerikanischen Prominenz, die dort angetanzt kam, war mir dann klar, warum das so Diskret behandelt wurde, selbst ich als Medienverweigerer habe etliche Gesichter erkannt.
Tja, alles lief reibungslos, die Party ansich war sterbenslangweilig und hat ewig gedauert, das vereinbarte Geld wurde am Ende mit Dankesworten (Bezahlung UND Dank sind für DJ’s selten gemeinsam zu haben) persönlich überreicht und, yippie-ya-yeh, alle waren glücklich.

Was ich daraus gelernt habe:
-) Definitiv zu viele, viel zu viele, Klischees, die man aus dem zu Tode amerikanisierten Fersehen kennt, sind nichtüberspitzt und treffen 1:1 zu. Angst.
-) Amerikanische Promis hacken sich genauso um wie unsereins.
-) Amerikanische Promis rauchen.
-) Betrunkene & rauchende amerikanische Promis wollen nicht heimgehen.
-) Betrunkene & rauchende amerikanische Promis, die nicht heimgehen wollen, unterhalten sich, so wie einfache Sterbliche, darüber, wie ein anderer Gast im Skiurlaub mit seinem scheiss Mercedes in die eigene Autotür reingerutscht ist. Nur dass es nicht am Hochkar passiert ist, sondern in Aspen, und, dass es kein VW Golf, sondern ein Porsche Cheyenne war.
-) Amerikanische Promis sind genauso unzufrieden mit ihren Jobs – nur dass das Leben als Junior Partner in einer New Yorker Anwaltskanzlei vielleicht doch ein bisserl lukrativer ist.
-) Betrunkene & rauchende amerikanische Promis sind genauso aufregend wie chronische Halitose.
-) Die schnieke glitzer-glitzer-bling-bling Welt betrunkener, rauchender Ami-Promis ist – überraschender Weise – ned a so meins.
Da spiele ich viel, viel lieber schlecht bezahlt in einem versifften Club im Untergrund. Aber das ist wahrscheinlich nur Neid.

Fazit: klang nicht nur nach DJ-Hure, ich war dort definitiv eine Hure – die Dankesworte bezogen sich wahrscheinlich darauf, dass ich dort in keinster Weise aufgefallen bin und schlichtweg meinen gottverdammten Job gemacht habe.
Der linkslastige, punk hörende Teenager-Rebell in mir war nur sehr schwer zum Schweigen zu bringen.
Beim Heimfahren lief dann „Pure Trauma“ von Downset im Autoradio.

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Vater, DJ, Photograph, Grafiker und neuerdings auch Schreiberling für untergrund.city. Goddammit, welch Karriere!

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